*Von: Rinny Mirari Ermiyanti*
Es war in der Abenddämmerung, als Bulan nach Hause kam. Sie klopfte mehrmals an die Tür. Doch niemand öffnete. Vorsichtig griff sie nach der Türklinke. Die Tür ließ sich überraschend leicht öffnen.
Niemand war zu Hause.
Bulan suchte in jedem Winkel des Hauses nach dem Mann, der sie normalerweise erwartete, wenn sie heimkehrte. Doch er war nicht da. Auf einem kurzen, herzzerreißenden Zettel erfuhr Bulan, dass der Mann sich entschieden hatte zu gehen. Er hatte sich für eine andere Frau entschieden.
Bulan wollte sterben.
Wochenlang ließ Bulan sich von ihrer Trauer überwältigen, bevor sie ihren Koffer packte und nach Texas ging. Sie wollte die Linien der Wiesen bis zum Horizont sehen. Sie wollte alles über die grünen Berge und die sanfte Meeresbrise vergessen, die der Mann sie oft zum Ausflug einlud. Vielleicht, wenn Dago nicht so kühl wäre oder die Strände in Belitung nicht so schön, wäre all das nicht passiert. Der Mann traf sich heimlich mit einer anderen Frau dort.
Die von Bulan gewählte Stadt Austin war grüner als Jakarta. Offenbar war die Stadtregierung ernsthaft daran interessiert, die sommerliche Hitze der Stadt zu mildern. Bulan wusste nicht, wie lange sie in dieser Stadt bleiben würde. Sie mietete ein Zimmer in einem alten Hotel mit einer reichen Geschichte des Aufbaus der Stadt. Das Hotelpersonal wies sie in der zweiten Etage ein.
Es war bereits spät in der Nacht, aber die Cafés auf der anderen Straßenseite waren immer noch belebt. Bulan stand am offenen Fenster und starrte auf das Neonlicht im Stadtzentrum. Dann schaute sie nach unten auf die nie leere Straße. Drei junge Männer gingen vorbei, lachten und schauten zu ihr auf. Sie winkten ihr kokett zu, neckten sie und forderten sie auf, herunterzukommen oder sie würden zu ihr hochkommen. Doch als ein Mann plötzlich neben Bulan stand und sie mit einem bedrohlichen Blick ansah, verstummten die Rufe und das Pfeifen der Männer.
Nun trafen sich die Augen des Mannes unerwartet mit den Augen von Bulan und ließen sie feucht werden.
"Wie bist du hier hereingekommen?"
Der Mann zeigte eine Schlüsselkarte. "Ich bin in dieser Stadt bekannt", antwortete er selbstgefällig.
Plötzlich öffnete der Mann seine Arme und bot ihr Wärme an. Seine blauen Augen waren wie funkelnde Sterne in den grauen Tagen, die Bulan in letzter Zeit erlebt hatte. In seinen Armen versunken, erlosch das Feuer, das ihre Brust und ihren Kopf in letzter Zeit verbrannt hatte. Der Mann ließ Bulan ihre Tränen fließen.
"Endlich bin ich besiegt worden", schluchzte Bulan. Der Mann sagte nicht viel, um sie zu trösten, außer ihr eine Handvoll Taschentücher anzubieten.
Später am Abend führte er die gebrochene Frau zu einem Restaurant am See, um Abendessen zu essen. Dann schauten sie sich eine Musikvorführung an. Der Mann kaufte auch eine Schüssel Eis, die sie während ihres Spaziergangs zum Hotel aßen.
"Ich werde darüber nachdenken, was ich für dich tun kann", sagte der Mann liebevoll und streichelte Bulans Kopf vor der Hoteltür.
"Du musst nichts tun. Deine Anwesenheit hat mich heute schon getröstet. Ich brauchte nur eine kurze Flucht", erwiderte Bulan.
"Ich werde morgen um fünf Uhr nachmittags zurück sein." Der Mann versprach. "Wir werden Abendessen essen und spazieren gehen, wie heute."
Nach wochenlanger Trauer schlief Bulan in dieser Nacht tief und fest.
Am nächsten Morgen beschloss die Frau, die Stadt zu erkunden. Mit einer breiten Hut und einer Sonnenbrille ging Bulan ziellos zu Fuß. Sie folgte ihren Instinkten und bog mal nach links und mal nach rechts ab. Zur Mittagszeit kaufte sie sich einen Burger und ein Mineralwasser in einem Restaurant namens Schlotzsky's. Sie genoss die klimatisierte Luft für einen Moment, bevor sie ihre Abenteuer an einem heißen Tag fortsetzte.
An einer Straßenecke las Bulan den Namen eines Museums auf einem Schild. Sie beschloss, dorthin zu gehen. Die fröhliche Frau wartete darauf, dass die Ampel den Fußgängern das Überqueren der Straße erlaubte.
"Bulan...."
Plötzlich wurde Bulan von einer bekannten baritonalen Stimme aufgeschreckt. Eine Stimme, die sie seit Jahren gehört hatte, als sie morgens aufwachte und bis zum Schlafengehen. Die Stimme eines Mannes, den sie einst von ganzem Herzen geliebt hatte. Ihr Herz schlug heftig. War der Mann ihr hierher gefolgt?
Bulan schaute in alle Richtungen, um die Quelle der Stimme zu finden, die ihr so nah in den Ohren erschien. Doch von den Menschen um sie herum kannte sie niemanden.
"Bulan...."
Die Stimme ließ ihre Ohren erbeben. Sie konnte sich nicht irren, diese Stimme zu erkennen, dachte sie.
"Bulan! Geh weg von dort!"
Bulan realisierte nun, dass die Stimme nicht von den Menschen um sie herum kam. Es kam von innerhalb ihres eigenen Körpers. Es hallte in ihrem Kopf wider. Einen Moment später hörte sie einen ohrenbetäubenden Knall, gefolgt von einem Quietschen, das von der Reibung der Autoreifen auf dem Asphalt herrührte. Danach wurde Bulan von einem unkontrollierten, heranrasenden Auto getroffen und flog in die Luft.
In diesem Moment sahen alle sie lächeln. Bulan fühlte sich frei wie ein Vogel. Sie fühlte sich erleichtert, weil ihr Wunsch von vor Wochen bald erfüllt werden würde, wenn ihr Körper wieder auf den Asphalt fiel.
Es war fünf Uhr abends. Der Mann mit den leuchtend blauen Augen kam wieder und hielt sein Versprechen. Dieses Mal besuchte er das Haus der Trauer. Der Mann - ihre Vergangenheit - umarmte Bulan liebevoll. Sein Gesicht wartränennass. "Ich werde dich nach Hause bringen", flüsterte der Mann.
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Rinny Mirari Ermiyanti, eine Bewunderin und Suchende des Mondlichts, die tapfer im Glanz der Kosmopolitan-Lichter weiterstrahlt.
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